Co2 Narkose - was jetzt?

Angst vor dem Tod, Der Umgang mit Betroffenen und Angehörigen, Hier geht es um ernste und Palliativmedizinische Themen

Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Hortensia » Di Okt 24, 2017 6:20 am

Hallo,
meine Mutter hat COPD Grad 4 und wurde gestern mit einer CO2 Narkose in die Klinik gebracht. Sie wird seit gestern Abend über eine Beatmungsmaske beatmet, aber der CO2 Wert geht nur sehr langsam aus dem Blut. Es steht im Raum sie noch zu intubieren.
Auch wenn es jetzt vielleicht hart klingen mag, aber was sagt ihr, hat das überhaupt noch Sinn?
Meine Mutter hat seit 4 Monaten jede Nacht Erstickungsanfälle. Sie und mein Vater kämpfen nachts ca 2-3 Stunden bis sie endlich wieder schlafen kann. Da sie zusätzlich an Parkinson erkrankt ist hat sie starke motorische Schwierigkeiten und sie wird zumehmend vergesslicher und verwirrter.
Sie hat ein Körpergewicht von ca. 40kg und hat in den letzten 4 Monaten extrem abgebaut. Wenn Sie auf einem Stuhl sitzt ist ständig die Gefahr das sie stürzt.. Sie hat vorgestern zu meinem Vater gesagt das sie langsam keine Kraft mehr hat. Das stimmt auch, jeder sieht es ihr an.
Sie hat eine Patientenverfügung in welcher steht das sie nicht an lebenserhaltenden Maschinen liegen möchte. Die Ärzte meinten sie würden trotzdem Rücksprache mit uns halten...
Ich weiß halt auch nicht was auf sie/uns jetzt zu kommen soll? Bisher war sie zumindest gerne noch einkaufen, auf Feiern, unterwegs halt... Aber auch das wurde ziemlich schwer und sie musste ständig Ruhepausen machen. Gestern kam die CO2 Narkose obwohl sie zuhause die Beatmungsmaske auf hatte. Mein Vater war froh das sie endlich mal ein bißchen schläft... dann ist sie aber nicht mehr wach geworden.
Ich weiß es ist schwer einen Rat zu geben, aber für mich sieht die Sache gerade ziemlich hoffnungslos aus, was meint Ihr?
Hortensia
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon HeikeGaupp » Do Okt 26, 2017 10:28 am

Hallo Hortensia ,
ich möchte ganz ehrlich sein : so wie du die Situation schilderst sieht es nicht gut aus . Sicher , um das Kohlendioxid abzubauen braucht der Körper Zeit . Und bei deiner Mutti kommen noch weitere gesundheitliche Probleme hinzu , mit denen ihr Körper fertig werden muss . Die Medizin ist zwar schon sehr weit , aber auch ihr sind Grenzen gesetzt .
Ich wünsche dir , deinem Papa und deiner Mama viel Kraft .
Heike
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Holger Griebenstein » Di Nov 14, 2017 8:01 pm

Wie ist es bei euch weitergegangen ?

Dass was du geschildert hast klingt nicht gut. Ich wünsche euch ebenfalls viel Kraft und auch Glück!

Liebe Grüße
Holger
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Hortensia » Do Nov 16, 2017 8:58 am

Hallo,
meine Mama ist nach einer Nacht mit Beatmungsmaske auf der Notfallambulanz in das Krankenhaus verlegt worden welches bei uns auf Lungenkrankheiten spezialisiert ist. Dort kam sie natürlich zunächst auf Intensivstation. Es kam wie es kommen musste, sie wurde intubiert, aber nach 2 Tagen konnte sie exhumiert werden und sie war wach und ansprechbar. 3 Tage später ging es auf Normalstation. Dort hat sie sich wacker geschlagen und es sah alles gut auf. Ihr Kopf war oben und sie musste die Maske 16 Stunden pro Tag tragen. Der Rest wurde über eine Sauerstoffbrille abgedeckt. Dann hat sie plötzlich keine Luft mehr bekommen und war wieder auf Intensiv. Dieses mal sollten wir für einen Luftröhrenschnitt unterschreiben. Nach Rücksprache mit einem befreundeten Arzt haben wir das auch getan, aber es kam zum Glück erst gar dazu. Sie hat sich mit der Maske gerappelt. Auch da ging es nach 4 Tagen wieder auf Intensivstation. Dieses mal war sie auf der Intensiv Station direkt ansprechbar und hat den Ärzten gesagt das sie nicht mehr kann und keine Intubation oder einen Luftröhrenschnitt möchte. Es war wieder Wochenende und ich bin, weil es ihr Donnerstag so gut ging, mit meinen Freundinnen ein Wochenende vereist. Freitag hat sie mich noch angerufen und wir haben kurz telefoniert. Als ich Sonntag Abend wieder kam, hat die Ärztin am Telefon gesagt sie wäre ganz unruhig und hätte Todesangst. Ich bin direkt mit meinem Vater hingefahren und als wir da waren haben sich ihre Werte verbessert. Sie war unter der Maske und hat uns wahr genommen.
Montag hat mein Vater wie jeden morgen auf Intensiv angerufen. Die Ärztin sagte sie müsse zu meiner Mutter, weil sie eventuell stirbt. Wir sind direkt losgefahren und auf dem Weg kam wieder ein Anruf von Intensiv, dass sie wieder stabil sei. Es hat sich heraus gestellt das sie Lungenversagen hatte. Sie haben sie sediert und als wir da waren wieder aufgeweckt. Sie war aber eigentlich nicht mehr da und die Ärzte meinten sie hätte keine Chance mehr. Mann könnte einen Luftröhrenschnitt machen, aber das wollte sie ja nicht mehr. Also haben wir mit den Ärzten beschlossen das sie einschlafen darf.
Meine Mutter ist am Montag gestorben.
Hortensia
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Zinner » Do Nov 16, 2017 9:59 am

Hallo Hortensia,

Ein ständiges Auf- und Ab, das war sicher schwer für euch Angehörige.

Es war gut dass deine Mutter im wachen Zustand ihren Wunsch äußern konnte und dieser auch von euch berücksichtigt wurde. Wenn Menschen nicht mehr können ist es das beste für Sie wenn sie einschlafen dürfen. Ich denke da habt ihr absolut richtig reagiert und müsst euch keine Schuld einräumen.

Ich hoffe ihr habt die Möglichkeit innerhalb der Familie füreinander dazusein und euch bei der Trauerarbeit beizustehen. Vor allem dein Vater wird jetzt auch mehr Beistand benötigen als er zugeben mag, nachdem er sicher viel Zeit seines Lebens mit deiner Mutter verbracht hat wird es für ihn warscheinlich die größte Umstellung bedeuten.

Ich wünsche euch viel Kraft
Liegende Grüße
Roland
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Flüstermann » Sa Nov 18, 2017 10:30 am

Auch von mir mein Mitgefühl!

Vor einiger Zeit ging ein Freund von mir (Darmkrebs) der sich regelrecht verabschiedete (er informierte alle seine Freunde und Bekannten höchst persönlich von seinem bevorstehenden Ableben) mit den Worten:
- er (der Krebs) denkt er hat mich besiegt, stimmt nicht, ich besiege ihn, imdem ich vorher sterbe, denn dann ist er auch tot und ich habe ihn getötet!

An Ihn denke ich oft, denn letztendlich müssen wir doch alle gehen und ein bewußtes Gehen ist ein gehen in Würde!

Viel Kraft euch wünschend
Harald
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Hortensia » So Nov 19, 2017 11:05 am

Vielen Dank für Eure lieben Worte
Hortensia
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon ikarus1946 » So Nov 19, 2017 3:46 pm

Hallo Hortensia
auch ich möchte Ihnen mein herzlichstes Beileid Ausdrücken. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vater für die nächste Zeit viel Kraft

Herzlichst Regina
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Re: Co2 Narkose - was jetzt?

Beitragvon Goldschatz » Do Nov 23, 2017 1:29 pm

Flüstermann hat geschrieben:
-er (der Krebs) denkt er hat mich besiegt, stimmt nicht, ich besiege ihn, imdem ich vorher sterbe, denn dann ist er auch tot und ich habe ihn getötet!

Viel Kraft euch wünschend
Harald


Da hat er Recht gehabt. Ich habe in diesem Zusammenhang auch schon von Menschen gehört die in diesem Sinne einen Pakt mit ihrem Krebs geschlossen haben. Also bewusst mit ihm gesprochen und innerlich klar gemacht, wenn ich sterbe stirbst du auch. Wenn du aufhörst zu wachsen können wir beide existieren. Bei manchen Menschen hat dies wohl so funktioniert. So sollen sogar schon Heilungen zustande gekommen sein.

Schwieriges aber interessantes Thema. Ob soetwas auch bei Copd helfen könnte?
Goldschatz
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