drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

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drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » Fr Jun 14, 2019 9:27 am

Liebe Forum-Mitglieder,
ich bin neu hier. Mein Vater ist 78, hat COPD im fortgeschrittenen Stadium und ein Lungenemphysem. Leider hat er eine sehr schlechte Compliance, wirkt also bei medizinischen Maßnahmen kaum mit. Er verweigerte Reha, Lungensport, Atemtraining etc. und seinen Sauerstoff (LOT) nimmt er nur sporadisch und nur im Sitzen. Er kann sich noch ohne einige Schritte bewegen, benötigt dann aber immer eine Zeit, um sich zu erholen. Seine Muskulatur hat schon sehr abgebaut (er hatte früher Kraft wie ein Bär). Er leidet auch unter Blasenproblemen/Inkontinenz, muss nachts dauernd raus bzw. die Urinflasche benutzen und kann max. 1-2 Stunden am Stück schlafen. Morgens fühlt er sich immer sehr zerschlagen. Er scheint keinen Lebenswillen mehr zu haben, hat resigniert und sich aufgegeben. Ich denke, er hat auch Depressionen. Leider ist es sehr schwierig, ihn zu Ärzten zu bekommen. Er hegt viel Misstrauen gegen sie. Man kann leider zusehen, wie sich sein Zustand immer mehr verschlechtert. Noch kann er sich soweit selbst versorgen (waschen, essen etc.), aber ich befürchte, dass er bald pflegebedürftig werden wird. Sein Verhältnis zu meiner Mutter (77) ist leider nicht gut. Ich denke, meine Mutter will und kann auch eine Pflege nicht stemmen. Die bauliche Situation ist auch sehr ungünstig, Küche, Wohnzimmer und eine winzige Gästetoilette im EG, Schlafzimmer und ein nicht seniorengerechtes Bad mit schlecht zugänglicher Dusche im OG. Ich bin voll berufstätig und wohne 40 km entfernt. Ich komme derzeit oft am Wochenende, um Haus und Garten einigermaßen in Ordnung zu halten. Eine Schwester wohnt auch ca. 40 km entfernt und hat ein Kleinkind. Eine weitere Schwester wohnt zwar relativ nahe, ist aber auch berufstätig und hat Haus und Kind zu versorgen. Ich möchte meinem Vater gern ein Pflegeheim ersparen. Aber ich bin mir sehr unsicher, ob es überhaupt möglich ist, unter diesen Umständen eine gute Pflege und später auch palliative Versorgung realisieren zu können. Wenn jemand aus dem Forum mir von seinen Erfahrungen berichten oder mir seine Einschätzung mitteilen könnte, würde ich mich sehr freuen.

Allen hier, die so wacker ihr Leben trotz dieser schweren Krankheit stemmen, wünsche ich alles erdenklich Gute. Ich ziehe echt den Hut vor euch.

Viele Grüße
Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon HeikeGaupp » Sa Jun 15, 2019 10:22 am

Hallo Antonia ,
es ist traurig wie dein Vati die Flinte ins Korn wirft . Dieses Verhalten zeigt wirklich eine Depression und sollte von einem Arzt behandelt werden .
Hast du schon einmal über betreutes wohnen nachgedacht ? Vielleicht wäre das auch noch eine Möglichkeit .
Heike
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » Sa Jun 15, 2019 11:29 am

Liebe Heike,
du hast ganz sicher recht mit der Depression. Aber ich weiß nicht, wie ich meinen Vater dazu bekommen soll, das behandeln zu lassen. Er hat so eine starke Abneigung gegen Ärzte und Krankenhäuser. Wir wollen jetzt versuchen, dass er angstlösende und beruhigende Medikamente bekommt. Allerdings wird er dann vermutlich nicht mehr Auto fahren können, woran ihm sehr viel liegt.
Mit dem Betreuten Wohnen habe ich mich schon sehr viel beschäftigt und mich auch bei einer Einrichtung auf die Warteliste setzen lassen. Das wäre in meinen Augen tatsächlich eine sehr gute Möglichkeit, auch eine ambulante Pflege besser stemmen zu können. Wenn man das Haus verkaufen würde, hätte man auch die finanziellen Mittel, die nötige Unterstützung zu organisieren, notfalls privat. Mein Papa wäre auch bereit dazu. Aber meine Mutter sträubt sich gegen einen Umzug, sie blockt da total. Ich glaube, sie will mit meinem Papa nicht auf engem Raum zusammenwohnen, wo man sich nicht so gut aus dem Weg gehen kann. Auf der anderen Seite spielen sie jeden Abend Rummy Cup miteinander. Das jeder in einer eigenen Wohnung wohnt, ist auch keine Option. Das will mein Papa nicht.
Die ganze Situation ist sehr schwierig. Mein Vater blockiert alle medizinischen Lösungen, meine Mutter die im Bereich Wohnen.
Jetzt fahre ich erst einmal hin und streiche den Zaun. Darüber freut sich mein Papa wenigstens.

Liebe Grüße
Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » Mi Jul 17, 2019 4:14 pm

532 Zugriffe aber nur Heike hat mir geschrieben. Hat hier niemand Erfahrung mit dem Thema Pflege und/oder palliative ambulante Versorgung? Wo sind die Grenzen des Machbaren? Ich bin für jeden Beitrag dankbar.

Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Ela » Fr Sep 06, 2019 9:57 pm

Hallo,
Ich habe diesen Beitrag jetzt erst entdeckt.
Es ist ziemlich kurios, aber ich bin in der ambulanten Pflege tätig, betreue unter anderem auch einen älteren Herren mit copd.
Auch er hat lange Zeit alles abgelehnt, selbst dann noch, als er die Pflege in der tat nicht mehr alleine konnte.
Unser Pflegedienst hat auch eine Wohngemeinschaft, wo allein stehende, aber auch Ehepaare wohnen.
Dort wohnt er mittlerweile mit seiner Frau, und was soll ich sagen, er ist aufgeblüht. Der Arzt kommt bei Bedarf ins Haus, wo er gesehen hat, dass das für die anderen Bewohner normal ist, ist es das für ihn auch.
Er freut sich jetzt sogar auf seine duschtage.
Wohngemeinschaften sind für doch einige besser geeignet als betreutes wohnen.
Vielleicht wäre das ja auch eine Option für deine Eltern.
Liebe Grüße Ela
Ela
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » So Sep 08, 2019 8:22 pm

Hallo Ela,
das ist sehr interessant was du schreibst. Ich habe davon noch nie gehört. Kannst du mir dazu mehr sagen? Wer betreibt diese WG? Der Pflegedienst oder seid ihr nur für die Betreuung engagiert? Oder wurde diese WG privat gegründet? Wie gesagt, mir ist das hier (ich wohne in der Nähe von Stuttgart) noch nicht untergekommen. Aber ich werde mal versuchen, mich schlau zu machen, ob es hier sowas gibt. Wobei ich da bei meinen Eltern skeptisch bin, dass die mit anderen Leuten unter einem Dach leben wollen. Aber einen Versuch wäre es wert. Wieviel Leute sind denn in dieser WG? Sind die alle pflegebedürftig?

Liebe Grüße
Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Ela » Mo Sep 09, 2019 9:56 am

Hallo Antonia,
Diese Wohngemeinschaften werden meist von privaten Trägern betrieben. Wir sind ein privater ambulanter Pflegedienst, mit einer Wohngemeinschaft. Pflegebedürftig sind dort alle Bewohner, einer mehr einer kaum. Das variiert. In unserer WG wohnen maximal 10 Leute. Viele wollten am Anfang gar nicht bleiben, aber das vergeht ganz schnell. Es haben sich zwischen den Senioren teilweise tolle Freundschaften entwickelt.
Vielleicht gibt es bei euch ja so etwas.
Liebe Grüße Ela
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » Fr Sep 13, 2019 8:48 pm

Hallo Ela,
vielen Dank für die Info. Ich werde mal versuchen, ob ich was rausfinden kann. Mein Vater hat noch keine Pflegegradeinstufung. Ich denke, er würde maximal Pflegegrad 1 bekommen. Er kann sich noch selbst waschen und duschen, aber er kommt halt bei allem schnell außer Atem. Meine Mutter ist zum Glück noch recht fit.

Liebe Grüße
Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Antonia1971 » Sa Sep 28, 2019 8:03 am

Hallo Ela,
ich habe jetzt mal recherchiert. In den Nähe meiner Eltern scheint es sowas nicht zu geben. Ich habe schon solche Einrichtungen gefunden, aber das war alles relativ weit weg. Ich werde das auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten, vielleicht werden ja mit der Zeit mehr Senioren-WGs gegründet und meine Eltern sind ja im Moment noch nicht pflegebedürftig. Ich denke, für meine Mutter könnte das mal interessant werden. Sie knüpft eigentlich relativ schnell soziale Kontakte. Sie könnte von sowas profitieren.

Liebe Grüße
Antonia
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Re: drohende Pflegebedürftigkeit des Vaters

Beitragvon Ela » So Sep 29, 2019 9:05 pm

Hallo Antonia,
Hier bei uns gibt es auch noch nicht so viele.
Ich war jetzt 2 Wochen in der Dementen WG, also zum arbeiten.
Dazu hat unser Büro eben auch noch die normale Senioren WG, wo auch viel unternommen wird.
Mit dementen ist das etwas schwieriger.
Ich würde mich freuen wenn es noch mehr von diesen Einrichtungen geben würde.
Liebe Grüße Ela
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