Vater wird immer inaktiver

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Vater wird immer inaktiver

Beitragvon Alice77 » So Jun 17, 2018 6:25 pm

Hallo ihr alle!

Habe mich jetzt hier angemeldet, weil ich immer wieder Fragen wegen meines Vaters habe, der COPD mit Lungenemphysem hat, ich denke im Stadium III bzw. Beginn von IV, ich weiss es jetzt nicht genau. Also er sitzt nur noch herum, kann sich so gut wie nicht mehr belasten. Er ist jetzt 77 und war sein Leben lang einer, der kaum still sitzen konnte und immer körperlich gearbeitet hat. Seit die COPD so schlimm ist, ist das ins Gegenteil verkehrt. Er geht nur noch vom Bett ins Wohnzimmer oder Küche bzw. zur Toilette. Alle anderen Wege innerhalb der Wohnung vermeidet er vollständig.
Er weist statt desse meine Mutter und bei Gelegenheit auch mich an, ihm Sachen zu bringen, die er haben will, sie dann wieder wegzutragen oder ihm was aus dem Keller zu holen und ähnliches. Er will einfach keinen Schritt machen, der nicht unbedingt sein muss. Sobald man da ist, hat er Aufgaben und Anliegen, die wir erledigen sollen. Es ist ja nicht so, dass uns das was ausmacht, das sind alles kleine Sachen, die schnell erledigt sind und er ist auch nicht unfreundlich oder so. Aber: Er wird immer unselbständiger. Er schiebt alles auf meine Mutter ab, die zum Glück noch ziemlich fit ist. Aber sie wird von der Situation schon belastet, körperlich und seelisch. Er scheint alle Verantwortung abzugeben. Will nichts mehr entscheiden, nirgendwo hin (auch nicht mit Sauerstoffgerät), Besuch soll am besten auch keiner kommen. Und meine Mutter soll möglichst immer bei ihm sein. Wenn sie einmal im Monat für einen Tag ihr Enkelkind besucht, ruft er jedes Mal mehrfach auf ihrem Handy an, um zu fragen, wann sie nach Hause kommt. Obwohl ich dann im Haus bin! Er lässt ihr nie eine längere Pause!

Ich weiß, dass er sehr krank ist. Aber ich weiss auch, dass es nicht gut ist, wenn er völlig inaktiv wird. Nur: wenn er uns laufend um Sachen bittet, trauen wir uns irgendwie nicht, es ihm abzuschlagen und zu sagen: Nee, hol dir das Glas Wasser doch selbst!" Weil man ja nie weiß: Geht es ihm dann schlecht, wenn er sich bewegen muss? Denn das wollen wir ja nicht! Also ich kann es eben nicht einschätzen, was zu viel ist und was gehen würde. Und so geht meiner Mutter das auch. Mit ihm zu reden hilft nicht, denn ich denke, er glaubt einfach selbst, dass er NIX mehr kann. Obwohl er ja vor einem halben Jahr drei Wochen in Reha war, das erste Mal überhaupt, und da gesehen hat, dass das Training echt was brachte. Er war viel besser drauf! Nur zuhause hat er nichts davon weitergemacht. Er behauptet zwar, dass er mit einem Gummiband Übungen macht, aber ehrlich gesagt denke ich dass er das höchstens ein bis zwei Mal pro Woche macht und auch dann nur wenige Minuten. Er ist schnell wieder voll in seinem Schneckenhaus angekommen.

Achso und dann noch das Problem mit dem Essen. Er hat kaum Appetit, isst also sehr sehr wenig und gleichzeitig hat er noch Gebiss-Probleme und kann daher nichts essen was hart ist. Oder hart aussieht. Oder hart riecht. Oder neben was liegt, was hart ist... Meine Mutter hat ein mega schlechtes Gewissen, weil er so dünn ist und sie anscheinend nichts so kocht, dass er es essen kann oder mag. Ach übrigens: Wenn er mal ins Krankenhaus muss oder als er in der Reha war, lief es viel besser mit dem Essen, und er kriegte dort nichts püriertes oder so! Ich werde nicht schlau daraus...
Ok also jetzt meine Fragen, vielleicht weiß hier ja jemand Rat. Würdet ihr empfehlen, ihm Dinge einfach selbst zu überlassen, auch auf die Gefahr hin, dass er sich dann unverstanden fühlt? Es geht ja nicht um anstrengende Sachen, nur zb um kurze Wege in der Wohnung, sich ein Joghurt aus dem Kühlschrank zu holen oder sowas. Dann müssten wir halt sagen: Nee, mach selber. Wie kriegt man ihn dazu, sich wenigstens minimal was zuzutrauen?
Das mit dem Essen ist meiner Mutter eine große Sorge. Gibt es Wege, das Essverhalten positiv zu beeinflussen (abgesehen jetzt mal vom Zahnproblem, das anderweitig gelöst werden sollte) ?
Ich freue mich über Antworten. Danke fürs Lesen.
Alice77
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Re: Vater wird immer inaktiver

Beitragvon Zietlove » So Sep 02, 2018 11:26 am

Oh Alice da beschreibst du eine schwermütige Geschichte. Mit zunehmendem Verlauf der Krankheit fallem einen die körperlichen Belastungen immer schwerer aber deinem Vater wäre besser daran getan wenn er sich weiterhin aktiv am Leben beteiligt und bewegt. Wer nur herumsitzt und liegt verschlimmert seinen Zustand durch die Passivität.

Das mit dem Appetit ist so eine Sache. Es gibt diverse Medikamente die Appetit anregen sollen aber ich halte von jeder zusätzlichen Chemie nichts. Sofern es nicht sein muss versuche ich immer alles derartige zu vermeiden. Wovon ich weiß, was auch bei Krebs- und Aids Patienten eingesetzt wird ist Cannabis. (Keine Sorge, das muss nicht geraucht werden und wäre auch kontraproduktiv bei einem Lungenleiden). Es hilft aber scheinbar vielen Menschen wieder Appetit zu entwickeln und macht wohl in der richtigen Dosierung auch nicht high. Dazu kann ich selbst nicht sagen aber ich habe von viel positives darüber gehört und gelesen. Cannabis wird aber immer noch kontrovers gesehen und nicht jeder Arzt verschreibt einem Medizinalhanf.
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Re: Vater wird immer inaktiver

Beitragvon HeikeGaupp » Sa Sep 29, 2018 10:40 am

Hallo Alice ,
es scheint , als ob ihr dem Vati zu viel Verantwortung abgenommen habt . Dadurch ist er sicher etwas niedergedrückt und traut sich auch nichts mehr zu . So hart wie es jetzt vielleicht auch klingt , aber ihr müsst ihn dazu bringen das er sich bewegt . Gebt ihm zu verstehen , dass er durch sein " nichts tun " seine Lage und somit auch seine Krankheit nur verschlimmert . Übergebt ihm kleine Aufgaben -allerdings mit Erfolgspotenzial für ihn , dass wird ihn dann sicher anspornen noch weitere Aufgaben zu übernehmen .
Ich wünsche euch dabei viel Erfolg .
Gruß Heike
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Re: Vater wird immer inaktiver

Beitragvon Brahmane » Mo Nov 05, 2018 12:13 pm

Danke Heike, du hast mir die Worte quasi aus dem Mund genommen. Ich wollte das gleiche schreiben :-)
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