Vertrauen in Ärzte verloren: Sieht so das Ende aus?

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Vertrauen in Ärzte verloren: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon Sissi » Do Okt 06, 2016 8:30 am

Hallo zusammen,
ich brauche Rat von Betroffenen.
Meine Mutter hat mehrere Jahre COPD im Endstadium.
Die Anfälle kamen immer häufer und in den letzten drei Jahren war sie sehr oft und lange im Krankenhaus.
Therapien mit denen sie noch zu Hause zurecht kommt, gab es nicht mehr.
Ein Versuch war das einsetzen von Ventilen. Die wurden aber später wieder entfernt, weil sie angeblich nichts bringen.
Dabei diesen Eingriffen hat sie sich wahrscheinlich noch MRSA Keime eingefangen.
Zuletzt ging es ihr so schlecht, dass man als einzige "Therapie" Morphium und Psychopharmaka einflösst.
Davon ist sie so sediert, dass sie nur noch schläft.
So kann man aber nicht mehr inhalieren etc. also nichts mehr gegen die Krankheit tun (ich weiß dass man die Krankheit nicht aufhalten kann).
Läuft das wirklich so ab? Geht es jetzt nur noch darum, dass man keine Atemnot und Angst mehr hat?
Vertrauen in Ärtzen ist schon lange weg, auch durch eigene Erfahrung.
Als Angehöriger erschlägt einen die Situation einfach .....
Sissi
 
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Re: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon HeikeGaupp » So Okt 09, 2016 8:36 am

Hallo Sissi,
nun in Deinem Fall ist es schwer einen Rat zu geben. Ich selbst leide an COPD Gold 4 , daher kann ich mich gut in die Lage Deiner Mutti hineinversetzen.
Da auch ich 2015 mehr in der Klinik war als zu hause entschloss man sich, mich in eine psychatrische Abteilung einzuweisen. Man vermutete, dass meine
Ängste vom Kopf her gesteuert werden. Insgesamt lag ich 9 Wochen auf dieser Station. Ich bin nun medikamentös so gut eingestellt, dass ich bereits schon eine lange Zeit keine stationäre Einweisung mehr benötigte.
Dir , Sissi, kann ich nur Mut zu sprechen. :|
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Re: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon Sissi » Mo Okt 10, 2016 9:27 am

Vielen Dank Heike für deine netten Worte.
Ich hoffe sehr, dass du lange exazerbationsfrei bleiben wirst!
Meine Mutter wurde auch in der Hinsicht mit Medikamenten behandelt, aber wenn das Lungengewebe immer schlechter wird,
dann nutzt das auch nicht viel.
Es ist ein sch... Krankheit :-(
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Re: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon HeikeGaupp » Mi Okt 12, 2016 11:32 am

Ach weißt Du , Sissi, dafür ist doch dieses Forum da.
Neben meinen Medikamenten habe ich auch noch einen Atemtrainer , er stärkt die Lunge. Mein Lungenarzt hat mir vorigen Monat sogar eine leichte Verbesserung der Atmung diagnostiziert, zwar nur um 1% aber das ist für mich schon recht viel. :|
Heike
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Re: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon Walterd » Mi Nov 16, 2016 8:31 pm

n Tag zusammen! Ich heiße hier Walterd, bin 63 und hab COPD mit ausgeprägtem Emphysem so seit ca. 10 Jahren.
Guten Tag zusammen! Ich heiße hier Walterd, bin 63 und hab COPD mit ausgeprägtem Emphysem so seit ca. 10 Jahren.
Als ich die ersten Atemnöte bekam, sagte der Lungenarzt:: Wenn Sie nicht aufhören zu rauchen, kommen Sie in 5 Jahren
keine Treppe mehr hoch. Der Typ war jung, arrogant und unsympathisch und konnte mich mal. Leider hat er Recht behal-
ten. Gold III mittlerweile und seit Kurzem auch noch Verdacht auf Lungenkarzinom. So ein Ding wurde mir Weihnachten
2015 gerade aus der Blase entfernt und ich hab gerade einen einwöchigen Aufenthalt in der Lungenklinik Hemer hinter
mir. Mit allem Drum und Dran: Bronchioskopie, PET-CT, Szintigraphie, MRT usw. Die sind aber nicht an den Herd dran-
gekommen. Jetzt würden die, um Klarheit zu kriegen, mich jetzt gerne richtig aufmachen um da dran zu kommen. Aber
ich zieh das jetzt in dieLänge und will das weiterhin per CT beobachten. Den Ärzten vertraue ich kein Stück mehr. Ok, ich
rauche und trinke noch, obwohl ich mich eigentlich nur noch mit der Notfalltröte über Wasser halten kann. Jedenfalls ist
das wohl die beschissestene Krankheit, die man sich vorstellen kann. Was das Thema Tod anbelangt, sagte mein
derzeitiger Lungenarzt: Wenn Sie Pech haben, werden Sie 100 Jahre alt. Aber verglichen mit dem Leid, das Kriegsopfer
unverschuldet ertragen müssen, wenn sie ihre Angehörigen, ihre Heimat und ihre Gesundheit verlieren, ist mein Schicksal
noch hinnehmbar. 50 Jahre Roth-Händle, 25 Stück am Tag, da musste ja mal die Rechnung kommen. Ich möchte hier
jedem, der diese Krankheit hat, meine Hochachtung darüber aussprechen, dass er irgendwie damit klarkommt. Heilung
ist ja wohl erstmal nicht. Lasst es euch gut gehen.
Walterd
 
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Re: Sieht so das Ende aus?

Beitragvon purple » Mi Dez 07, 2016 4:52 pm

Moin,
meine Mutter ist im Mai an COPD gestorben. Leider schaut es wirklich so aus, dass ein COPD Patient am Ende in erster Linie nicht leiden sollte. Also er sollte angstfrei und weitgehend beschwerdefrei sein - falls das überhaupt geht. Meine Mutter hatte mir schon oft gesagt, dass sie nicht mehr leben will. Ich hatte aber immer den Eindruck, dass sie sich unseretwillen (Ihre Kinder und Enkel) immer weiter quält.
Zuletzt war sie nach mehreren Wochen in diversen Krankehäusern wenige Tage im Pflegeheim. An ein Alleineleben war nicht mehr zu denken. Wir haben ihr noch persönliche Gegestände gebracht, worüber sie sich sehr gefreut hat. Endlich wieder den eigenen Fernseher. In diesem letzten Gespräch habe ich ihr irgendwann ganz ernst gesagt, dass sie ruhig gehen darf. Sie muss nicht für uns bleiben. Das war Sonntags. Am darauffolgenden Dienstag Morgen bekam ich auf dem Weg zur Arbeit den Anruf, dass sie friedlich eingeschlafen sei. Nach zehn Jahren COPD in fortgeschrittenem Stadium hat sie Erlösung gefunden. Ich denke, sie brauchte auch etwas die Sicherheit, dass jemand da ist. Zuhause war sie allein.

Gerade die letzten zwei Jahre haben wir und immer häufiger gefragt, wann sie endlich erlöst wird. Das war echt kein Leben mehr. Die Ärzte waren im Übrigen neben der Heimtücke der Krankheit die größe Frechheit. Bis auf wenige löbliche Ausnahmen komplett empathiefrei und gnadenlos Inkompetent bei größtmöglicher Arroganz.

Ich kann aber sagen, dass sie - wenn sie irgendwie mitgearbeitet hätte - auch noch gut zehn Jahre hätte haben können. Sie hat mit der Diagnose komplett zugemacht und sich hängen lassen. Kein Lungensport, keine Psychotherapie, keine Gesprächskreise, nichts. Ich denke, dass ein COPD Patient selbst am meisten am Krankheitsverlauf machen kann.

Ich wünsche Dir alles Gute

Ulli
purple
 
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